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Manipulation und Motivation

03.05.2007

Ein Artikel, den ich kürzlich gelesen habe, zitiert eine These, laut der alles, was wir tun, manipulativ ist. Ich widerspreche dem Teil mit der Manipulation und der Berechnung schon alleine deshalb, weil die beiden Begriffe im normalen Sprachgebrauch sehr negativ besetzt und somit selber ziemlich manipulativ sind.😉 Zum anderen verbinde ich die beiden Begriffe auch mit zielgerichtetem, bewußtem und einem Stück weit verschleiertem Handeln, alles Dinge, die ich zum Beispiel einem Baby (siehe Beispiele aus dem Artikel) nicht zutraue.

Ich stimme der These aber in soweit zu, daß wir nichts ohne Motiv, ohne Grund tun, und die Feststellung find ich auch nicht sonderlich überraschend und neu. Im Gegenteil, ich alleine bin für mein Handeln verantwortlich, also sollte ich auch die Beweggründe dafür kennen. Den Unterschied zur Manipulation sehe ich darin, daß ersteres nicht zwingend eine Reaktion meiner Umwelt braucht, letzteres dagegen schon. Wenn ich mich abends vorm schlafengehen in die Wanne lege, mach ich das für mich, um mich zu entspannen, wohlzufühlen und vielleicht auch besser schlafen zu können, aber nicht, weil ich von irgendwem eine Gegenleistung dafür erwarte (außer ich schließe das warme Wasser, den Badezusatz und die Wanne bei „irgendwem“ mit ein😀 ).

Aber egal was ich für jemand anderen tue, es ist immer meine Sache, was dafür der Grund ist, und meine Entscheidung, ob und was ich dafür als Gegenleistung möchte.

Es gibt Dinge, die mache ich, weil sie mir selber Spaß machen, weil sie z.B. Teil eines Hobbys sind. Dafür erwarte ich an der Stelle auch keine Gegenleistung – und sei es nur in Form eines Dankes – weil mein Motiv eh rein egoistisch ist. ICH entscheide, daß ich das gerne tun möchte, und das ist damit unabhängig von möglicher Reaktionen meiner Umwelt.

Und dann gibt es Dinge, die mache ich nur, wenn der Gegenwert dafür auch stimmt, sei das jetzt Kohle oder sonstige Vorteile. Das melde ich dann aber auch VORHER laut und deutlich an, und wenn ich das nicht bekomme, mache ich es auch nicht.

Ich finde es ziemlich absurd, etwas mit einem „Nee, passt schon, will ich nichts dafür, mach ich doch gerne“ zu tun, um sich dann danach und vielleicht auch noch hinter dem Rücken des anderen zu beschweren, daß man tatsächlich nichts, evtl. noch nichtmal Dankbarkeit, dafür bekommen hat. Ganz davon abgesehen, daß Dankbarkeit ein ziemlich schwammiger Begriff ist – das geht von einem einfachen „Danke“ bis zu Auf-Ewig-Füße-Küssen – muß der andere dann schon ziemlich gut raten, was man von ihm denn nun im Gegensatz zur eigenen Aussage tatsächlich erwartet.

Und damit sind wir wieder zurück bei der Manipulation, denn wenn ich nicht deutlich sage, was ich will, wenn ich eine Reaktion (im Sinne eines Vorteils für mich) bei einem anderen nicht durch klare Worte sondern verstecktes Verhalten auslösen will, DANN ist es für mich Manipulation.

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