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Das F-Wort

09.05.2007

Auf spiegel.de gab es heute einen recht guten Artikel zum Thema Feminismus.

Wie auch in dem Artikel geschrieben, ist Feminismus nichts großartig anderes als der Wunsch bzw. der Kampf nach Freiheit, Entscheidungen selbstständig treffen zu können, ohne einem festen Bild der Gesellschaft genügen zu müssen. Freiheit, sich im Beruf zu verwirklichen, als Mami am Herd zu stehen, am Wochendende saufend und kotzend auf einer Bank – oder im Bett eines Wildfremden – zu landen, sich die Beine zu rasieren oder nicht.

Im Endeffekt ist gerade Eva Herman die perfekte Feministin, weil sie genau das getan hat – sie hat zuerst für sich Karriere gemacht, dann festgestellt, daß ihr die klassische Mami-Rolle besser gefällt und lebt jetzt danach (nur über ihr ensprechendes Sendungsbewußtsein könnte man jetzt diskutieren, aber als Blogschreiber halt ich da wohl besser einfach meine Klappe😉 ).

Aber – und das hat jetzt nicht nur was mit Feminismus zu tun – jedes Streben nach (persönlicher) Freiheit bedeutet auch, daß man damit die Verantwortung für sich selbst übernimmt, und da fangen die Probleme an.

Take your life in your own hands and what happens? A terrible thing: no one to blame.
(Erica Jong)

Wenn ich mir (persönlich oder auch z.B. als Teil eines Volkes) Freiheit erkämpfe, bedeutet das immer auch, daß ich damit auf mich selbst gestellt bin. Wenn niemand mehr da ist, der einem sagt, was man tun und lassen soll, ist auch keiner mehr da, der die Verantwortung dafür übernimmt. Und niemand, der einen vor Fehlern warnt und dem man dann dafür die Schuld in die Schuhe schieben kann. Freiheit beinhaltet auch ein Stück weit Distanz und Einsamkeit, die bevormundende, aber halt oft auch beschützende Hand ist nicht mehr da.

Und ich habe den Eindruck, daß es vielen Menschen schwer fällt, damit klarzukommen. Sei das jetzt innerhalb des Feminismus und dem damit einhergehenden Ende der klassischen Rollenverteilung, sei es bei Aussagen wie „die DDR hatte auch ihre guten Seiten“, oder auch nur bei Kids, die keinerlei Grenzen beim Alkoholtrinken und Sex mehr kennen. Klar hat Bevormundung immer auch die positive Seite, daß man sich selber keine Gedanken machen muß, daß man sich Grenzen nicht selber setzen muß, und jeder ist faul, wenn er es kann und darf.

Feminismus hat nur deshalb einen so schlechten Ruf, weil es bedeutet, daß man über seine Lebensziele eigenständig nachdenken muß und sie mit entsprechendem Egoismus umsetzt, genauso wie Kapitalismus, weil er dafür steht, daß man seinen Arsch selber in die Höhe bekommen muß. Das bedeutet Arbeit und ist auch nicht immer fair. Der Preis für Freiheit und Individualität ist, daß ein „ich will“ nicht mehr reicht, sondern ein „ich mache“ nötig wird.

Und ohne die dazugehörige Bereitschaft, Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen, die Konsequenzen zu tragen und dafür einzustehen, funktioniert das nicht – egal in welchem Bereich.

Der Ruf nach Freiheit und Selbstverwirklichung ist erstmal sehr einfach, dies dann auch zu nutzen und wirklich zu tun absolut nicht. Ich möchte es aber definitiv nicht (mehr) anders haben.🙂

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