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Political Correctness

23.05.2007

Heute kam ein Kollege zu mir, wollte charmant sein, und hat verzweifelt nach dem weiblichen Äquivalent zu „Womanizer“ gesucht. Uns ist dann aber nicht wirklich ein Wort dazu eingefallen, was im Grundton ebenso nett ist und wo auch diese Anerkennung mitschwingt.

Das Bild, das man bei dem Begriff „Womanizer“ vor sich hat, ist George Clooney, Sean Connery, Jack Nicholson oder Brad Pitt – erfolgreiche, charmante Männer, denen Frauen zu Füßen liegen, bei denen ein Lächeln oder ein Blick oder ein Wort reicht, um ihr Gegenüber dazu zu bringen, gerne das zu tun, was sie von ihnen wollen. Die sexuelle Komponente ist dabei noch nicht mal so wichtig, die ist eher nur angedeutet.

Eine Frau, die – in welcher Form auch immer – Erfolg beim anderen Geschlecht hat, ist im besten Fall eine „Sexbombe“ oder ein „Sexsymbol“, ansonsten wohl eher die „Schlampe“. In beiden Fälle ist aber der (promiskutive) Sex das Hauptmerkmal.

Mein Kollege hat sich dann sogar bei mir entschuldigt, weil jedes auch nur ansatzweise vergleichbare Wort oder jede Umschreibung, was uns dazu eingefallen ist, war wenn nicht beleidigend, dann doch zumindest ziemlich unseriös.

Das Denken beeinflusst die Sprache – das Verhalten eines „Womanzier“ ist für eine Frau nicht gewünscht, also wird auch kein Wort dafür benötigt. PC sagt nun, diese Beeinflussung ist auch umgekehrt möglich. Indem ich neue, nicht bereits negativ besetzte Begriffe verwende, schleicht sich diese Neutralität auch in die Denkweise.

Also, ich überleg mir jetzt einfach ein nettes Wort, mach ein T-Shirt, was ich in großem Maßstab bei eBay verticke, und schon können Frauen charmant und erfolgreich im Beruf und im Umgang mit Männern sein, ohne sich dumme „Die hat sich doch hochgeschlafen“-Sprüche anhören zu müssen?

Es wäre ja schön, wenn es so einfach wäre. Ich hab da allerdings sehr meine Zweifel. Ums mal mit Terry Pratchett auszudrücken, man kann „Afro-Amerikaner“ auch trotzdem noch mit zwei „g“ aussprechen.

Und das ist das Problem, was ich mit PC ganz generell habe. Für mich ist sie in erster Linie Symptombekämpfung. Nur weil überall wie selbstverständlich nach „Manager/-innen“ gesucht wird, bedeutet das noch lange nicht, daß die Frauenquote in dem Job sonderlich hoch ist, oder man auch nur das gleiche wie die männlichen Kollegen verdient. Nur weil man „Afro-Amerikaner“ oder „Native-American“ sagt, sind rassistisch bedingte soziale Ungerechtigkeiten nicht aus der Welt.

Die werden nicht gelöst, sondern nur verbal überschminkt. Und ich sehe dabei die Gefahr, daß die eigentlichen Probleme dadurch in Vergessenheit geraten. Solange der Respekt von „oben“ durch ein Sprachdiktat eingetrichtert wird, ist er nicht ernst gemeint und ehrlich, und damit kann man den ganzen Ansatz eigentlich vergessen. Und mir ist es auch lieber, wenn ich die Geisteshaltung von jemanden schon an der Sprache erkennen kann, das macht das Aussortieren der Idioten um vieles leichter.😉

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